Die Geschichte des Dorfes Groß-Mehßow

1429 Eine urkundliche Erwähnung von Mehßow (Groß-Mehßow): Sie steht im Zusammenhang mit der Urteilsfindung über eine Mordtat des Berntt Druskwicz (Bernd von Drauschwitz) vor dem Lübbener Bürgermeister und Rat. Hierbei war auch Hans von Kottwitz anwesend: Hans Katewicz zcu Meso geesein.

1441 Die bisher bekannte Ersterwähnung von Groß-Mehßow stammt vom 26. Oktober 1441, wo ein Nickel von Zieckau „auf“ Groß-Mehßow genannt wird.  Nickel von Zieckau (Czykow) auf Groß-Mehßow (Grossin Meyssow).

1447 In einer Liste der in sächsischem Schutz stehenden Vasallen und Städte in der Niederlausitz vom 04. Januar 1447 wird unter anderem auch Bernhard von Drauschwitz genannt, der nicht nur Gutsbesitzer von Groß-Mehßow war, sondern auch Fürstlich-Drehna besaß: Diß sint, die do in myns hern von Sachssin schutcze und vorthedinge sint etc. Itemern Hannus von Kockericz zur Dobre (Altdöbern), Nickel v. Malticz zu Grossen-Loben (Großlübbenau), Alex von Kockericz zu Lobenaw (Lübbenau), Bernhard Druschwicz zu Meissaw, (Mehßow) Bernhart Druschwicz zu Drenaw (Fürstlich-Drehna)Zu bekenthnisse habin wir des hoffegerichts ingesigel gedruckt an dissen offen briff, des wir alle sampt mittenander icz und gebruchen, am mittewoche nest vor der Drier Konige tage anno etc. XL septimo.

1495 Eine der bedeutendsten frühen Quellen für die Kirchengeschichte stellt die Meißener Bistumsmatrikel von 1495 dar. Sie zeigt die strukturelle Gliederung im kirchlichen Bereich, verzeichnet also die einzelnen Archidiakonate und Erzpriesterstühle (lat. sedes) im Bistum Meißen aus dem Jahre 1346 und früher. Sie ist eine Abgabenliste, in der die zum Bistum Meißen gehörenden Pfarrämter bzw. Kirchen aufgeführt werden. Und zwar solche, die Einkünfte hatten, denn sie mußten von jeder Mark vier Groschen an den Bischof in Meißen abführen. Die 19 Mutterkirchen des Kirchenkreises Calau werden in folgender Schreibweise und Reihenfolge in dieser Matrikel genannt:

Calo – Jhezer – Mesaw – Drehnaw – Czynnitz – Tornaw – Schönfeldt – Beichow -Lobenaw – Kolkewitz – Saßlem – Feczschow – Missen – Laß – Ogrose – Redern – Dober – Pritzschen.

1527 Im Lehnsregister wird Klein-Mehßow am 1. Mai 1527 als Klein-Messo erwähnt und Groß-Mehßow am 17. Oktober 1527 als Gross-Messo. Die Brüder Hans, Georg und Nickel von Drauschwitz sind neue Besitzer von Groß-Mehßow: Ire Lehengüter von der Cron Behem zu Lehen rürendt, Nemlich das Dorff Messow, Hoff, forwergk, teiche, mule vnd alle ein vnd zugehorung, nichts außgeschlossen, wie das alles in seinen Reinen gelegen vnd vmbfangen, zu brüderlichen gesampten Lehn. Erstmals gibt es eine schriftliche Unterscheidung zwischen Groß- und Klein-Mehßow.

1544 Am 2. September 1544 melden die Brüder und Vettern von Drauschwitz dem Landvogt Graf Albrecht Schlick, daß sie in der Feldmark Groß-Mehßow ein Erdreich gefunden haben, aus dem sie hoffen Alaun und Kupferwasser gewinnen zu können.

1546 Im Westen Groß-Mehßows, hinter den Kohlhöfen, entsteht das Alaunbergwerk. Alaun dient zur Herstellung von Farben und Farblacken, in der Färberei als Rotbeize, in der Weißgerberei, zum Leimen von Papier, als schwer brennbarer Anstrichstoff, als fäulnishemmendes Mittel, zum Aufbewahren von Fellen, als Zusatz zum Brot (um schlechtes Mehl verwendbar zu machen), als blutstillendes Mittel, als Rasierstein und als Zahnpulver.

1565 Samuel von Drauschwitz wird am 8. Februar 1565 alleiniger Besitzer von Groß-Mehßow.

1599 Beginn der Kirchenbuchaufzeichnungen durch Pastor Andreas Ruben. Erstmals werden Namen der Groß-Mehßower Einwohner bekannt: Albin Mehßow, Urben Lehmann, Thomaschk, Welzel Paulich, Georg Müller, Hans Kschayan, Hans Dictus, Jakob Ruben, Christoph Bronk, Gregor Meißner, Hans Schneider, Barthel Bartholich, Jakob Handrick, George Mathow, Hans Witosch, Melchior Koch, Jacob Gregorick, Hans Henschen, Johannes Henchen, George Asmus, Jacob Berger, Christoph Kuckuck, Kalz, Christoph Buchwald, Michael Branske, Jakob Burick, Martin Möller, Peter Borch.

Groß-Mehßow entsteht

Die eigene Geschichte Groß-Mehßows beginnt mit dem Zerfall des alten Rittergutes Mehßow im 15. Jahrhundert. Der Drehnaer Rittergutsbesitzer, Bernhard von Drauschwitz, erwirbt das Dorf Mehßow mit Kirche, Acker, Wiese und Wald. Um sich vom alten Mehßower Rittersitz zu unterscheiden, entstehen die Namen Groß-Mehßow (für die größte Mehßower Siedlung) und Klein-Mehßow (für den alten Rittersitz mit der vergleichsweise kleinen Siedlung – Gutsweiler).

Nickel von Polenz (Polenczk), Ritter, Vogt der Lausitz (voit zcu Lusitz, -cz), bestätigt – für sich und in Vormundschaft seiner Vettern Jakob und Jakob von Polenz – aufgrund einer Verpfändung (vorschreibunge […] obir das […] land zcu Lusicz) und der Bevollmächtigung durch den verstorbenen König Albrecht – den Brüdern und Vettern Jan, Renz, Reinhard und Apatz von Zschertwitz (Czerticz) auf Koßwig (Kossewig) einen von seinem Vetter Hans von Polenz ausgestellten Lehnbrief über 14 1/2 Schock jährlichen Geld- und Getreidezeins im Dorf Koßwig (Koswigk) als Gesamtlehen (gesampten bruderlichen lehen) und belehnt die Genannten erneut damit.
(gegebin […] noch gotes geborth virczenhundert iar unde dornoch in dem eyn unde virczigestem iare, am nesten dornstage vor senthe Symonis et Juden tage). 26. Oktober 1441. (BLHA Potsdam, 37 Lübbenau U 7 B).
Zeugen: Nickel von Zieckau (Czykow) auf Groß-Mehßow (Grossin Meyssow), Jan [von] Buxdorf (Bugkensstorff) auf Zinnitz (Czynicz), Hans Dersk. Siegelankündigung: Es siegelt Nickel von Polenz, der Aussteller. (BLHA Potsdam, 37 Lübbenau U 7 B).
Die bisher bekannte Ersterwähnung von Groß-Mehßow stammt vom 26. Oktober 1441, wo ein Nickel von Zieckau „auf“ Groß-Mehßow genannt wird. Ein paar Jahre später ist der Drehnaer Rittergutsbesitzer Bernhard von Drauschwitz Gutsherr auf Groß-Mehßow (Nachweisbar 1447). In dessen Erbfolge bleiben die von Drauschwitz, ein altes Meißener Adelsgeschlecht, bis 1639 Herr auf Groß-Mehßow und errichten auch einen Rittergutssitz westlich der Kirche.

In einer Liste der in sächsischem Schutze stehenden Vasallen und Städte in der Niederlausitz vom 4. Januar 1447 erscheint auch Groß-Mehßow, hier wieder ohne „Groß“:

 Diß sint, die do in myns hern von Sachssin schutcze und vorthedinge sint  etc. Itemern 

  •   Hannus von Kockericz zur Dobre           (Altdöbern),
  •   Nickel v.Malticz zu Grossen-Loben      (Großlübbenau),
  •   Alex von Kockericz zu Lobenaw           (Lübbenau),
  •   Bernhard Druschwicz zu Meissaw,       (Mehßow)
  •   Bernhart Druschwicz zu Drenaw          (Fürstlich-Drehna)…

Zu bekenthnisse habin wir des hoffegerichts ingesigel gedruckt an dissen offen briff, des wir alle sampt mittenander icz und gebruchen, am mittewoche nest vor der Drier Konige tage anno etc. XL septimo. (Woldemar Lippert: Urkundenbuch der Stadt Lübben, 1933.)

Im ältesten Lehnsregister der Niederlausitz, dem Homagialbuch I von 1527-1548, werden Groß-Mehßow am 17. Oktober 1527 als Gross-Messo und Klein-Mehßow am 1. Mai 1527 als Klein-Messo erwähnt.

Die Groß-Mehßower Hüfner

Die Siedlerfamilien im alten Mehßower Rittergut des 13. Jahrhunderts erhalten ein etwa gleich großes Stück Land, das sie ernähren kann und außerdem noch den Zins an den Ritter zahlen läßt – eine „Hufe“, wie man das Stück Land der (Hufen-) Bauern nennt. Ihre Äcker (Hufenland) liegen in verstreuten, aber regelmäßig parzellierten und zu Feldern zusammengefaßten Schlägen in der Mehßower Flur, ebenso die Wiesen. Mit dem Pachtland bekommen sie außerdem ein ausgedehntes erbliches Nutzungsrecht an den Grundstücken. Sie können also ihr Leben lang auf dem Land bleiben, es auch an ihre Kinder weiter vererben oder anderweitig vergeben, allerdings mit der Maßgabe, daß die Abgaben an den Ritter immer gleichmäßig und pünktlich zu entrichten sind.

Aber letztendlich  entscheidet das doch der Ritter bzw. Gutsherr: Er kann sein Land entweder selbst nutzen, oder es eben an Siedler als erbliches oder nichterbliches, veräußerbares oder nichtveräußerbares Pachtland für Gegenleistungen überlassen. Mehßow (Groß-Mehßow) wächst und es entsteht, wie überall auch, ein Dorf in unserem heutigen Verständnis.

Die Menschen wohnen in einem Einhaus (Wohnung und Stall in einem Gebäude). Die Küche ist eine Schwarze Küche. Die Schwarzküche geht auf Jahrhunderte alte Kochtechnik zurück. In der Schwarzküche wird auf offenem Feuer gekocht. Die einfachste Form besteht aus einer im Fußboden vertieften Stelle, in der das Feuer brennt. An einem Dreibock hängt der Topf über dem Feuer. In der verbesserten Form brennt das Feuer auf (!) einem gemauerten Ziegelherd. In dem Hohlraum unter dem Feuer wird das Holz gelagert und gleichzeitig auch getrocknet. Der Rauch sammelt sich unter der Decke, bis er langsam durch undichte Stellen durch die Decke hindurch auf den Boden ziehen kann. Oder in der Decke ist eine Öffnung und der Rauch steigt in den Dachstuhl. Hier werden dann Wurst und Schinken aufgehängt und kalt geräuchert. Außerdem wird der Dachstuhl vom Rauch gegen Holzwürmer imprägniert. Bleibt der Rauch in der Küche, hängen Wurst und Schinken zum Räuchern unter der Decke. Nachteilig ist die Schwarzfärbung von Wänden und Decke durch Ruß und Teer aus dem Rauch, wodurch sich der Name „Schwarzküche“ oder „Schwarze Küche“ ableitet. Auch die Brandgefährdung ist nicht zu verachten.

Durch Einführung der Dreifelderwirtschaft steigen auch in Mehßow die Ernteerträge und tragen so dem Bevölkerungswachstum Rechnung. Angebaut werden vorrangig Getreide als Hauptnahrungsmittel, außerdem Hülsenfrüchte, Flachs und Lein. In den Hausgärten wachsen Gemüse und Kräuter, stehen Obstbäume. Das Prinzip der Dreifelderwirtschaft bringen die Deutschen mit. Den Slawen ist es nicht bekannt, sie arbeiteten nach dem Prinzip der Feldgraswirtschaft.

    Die Dreifelderwirtschaft in Groß-Mehßow.

Die Siedler teilen das alte und das neue, durch Rodung gewonnene, Ackerland genau nach den Bestimmungen der Dreifelderwirtschaft ein. Dabei ist es so, daß nicht jeder Bauer allein die Dreifelderwirtschaft anwendet, indem er seine Hufe entsprechend dreifach gliedert, sondern es war die Dorfgemeinschaft, die großflächig Dreifelderwirtschaft betreibt. Hierzu wird, wie die Karte zeigt, die Groß-Mehßower Dorfflur insgesamt in drei Flurstücke eingeteilt, in denen jeder Bauer seinen Anteil erhält. Damit entsteht nicht nur ein Flurzwang, sondern auch ein festgelegter Fruchtwechsel, dem sich alle unterzuordnen haben.

Jedes dieser drei Flurstücke liegt abwechselnd immer für ein Jahr lang brach. Dabei wird im ersten Jahr der Acker also nicht bearbeitet und der natürliche Aufwuchs als Weide genutzt. Der Boden kann sich regenerieren und durch den Mist der Tiere erfolgte eine Düngung. Im Herbst wird gepflügt und Wintergetreide gesät. Im folgenden zweiten Jahr erfolgt im Frühsommer die Ernte. Anschließend dient der Acker als Stoppelweide für das Vieh.

Im dritten Jahr wird im Frühjahr gepflügt und Sommergetreide gesät. Nach der Ernte im Spätsommer läßt man das Feld wieder brach liegen und der Rhythmus beginnt von neuem. Diese Fruchtfolge muß also von allen eingehalten werden, sonst kann die Dreifelderwirtschaft nicht funktionieren. Die Weiden in Mehßow werden allerdings durchgängig genutzt, denn neben dem Ackerbau betreiben die alten Mehßower auch Viehzucht. Beides bedingt einander. Das Vieh ist nicht nur Nahrungslieferant, sondern erzeugt auch den notwendigen Dünger. Erst Ackerbau und Viehzucht zusammen ermöglichen das Überleben der Mehßower.

Mehßow (Groß-Mehßow) ist ein reines Bauerndorf.

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