1600 bis 1800

1602 Hans Georg von Drauschwitz erbt Groß-Mehßow von seinem Vater Samuel von Drauschwitz, der am 11. September 1602 stirbt.

1625 Am 14. November 1625 stirbt Hans Georg von Drauschwitz im Alter von 61 Jahren und das Gut geht an seinen Sohn Hans Samuel von Drauschwitz über. Dieser stirbt mit nur 28 Jahren 1633 ohne Nachkommen. Caspar von Drauschwitz, ein Verwandter aus Altenburg, übernimmt Groß-Mehßow.

1618-48 Dreißigjähriger Krieg. In Fürstlich-Drehna ist das Schloß zerstört, Kirche, Pfarrhaus und Schule abgebrannt und der Ort ohne Pfarrer. Babben ist nur noch ein Schutthaufen. Im Kirchenkreis Groß-Mehßow gehen die jährlichen Geburten von 15 bis 20 (vor dem Krieg) auf 4 bis 5 zu Kriegsende zurück. 1626 wütet in Klein-Mehßow die Pest, 30 Menschen sterben. Im November 1632 gibt es in Schrackau 9 und im November 1634 in Radensdorf 16 Pesttote. Auch in Groß-Mehßow gibt es 1634 einige Opfer.

1639 Wilhelm von Minckwitz kauft Groß-Mehßow für 3000 Gulden, zuzüglich der Schulden, die das Gut hat und einer Kaution von 500 Talern. Damit geht die 200-jährige Drauschwitz-Geschichte für Groß-Mehßow zu Ende.

1675 Cuno Christoph von Bredow wird Besitzer von Groß-Mehßow.

1691 Friedrich Christoph Truchseß von Reinfelden kauft Groß-Mehßow für 10 600 Taler.

1735 Sanierung des schadhaften Turmes der alten Kirche. Der untere aus Raseneisensteinen gemauerte Teil wird repariert, und die obere Holzkonstruktion neu gebaut.

1745 Bei einem Gewitter am 16. Juni 1745 schlägt der Blitz in den Kirchturm ein, und in der Kirche fängt es schon an zu glimmen, aber ein Feuer entsteht nicht.

1750 Karl Siegmund von Walther und Croneck kauft Groß-Mehßow.

1752 Das Kirchenschiff wird instandgesetzt und durch Umbauten erweitert.

1770/71 Im Winter 1770/71 gibt es viel Schnee. 1770 liegt er einen halben Meter hoch, und 1771 sind so große Schneeverwehungen, daß der Drehnaer Pfarrer in Gollmitz keine Predigt halten kann. Er bittet unterwegs seinen Groß-Mehßower Amtskollegen um Hilfe, und dieser reitet mit dem Pferd dann nach Gollmitz, weil mit Wagen oder Schlitten nicht durchzukommen ist.

1776/77 Bei Instandsetzungsarbeiten am Kirchturmdach werden Knopf und Wetterfahne abgebaut. Dabei findet man in dem Knopf ein sächsisches Zweigroschenstück und ein Schriftstück.

1787 Pastor Meister notiert ins Kirchenbuch: Anno 1787, gleich den 1ten Jan. Abends zwischen 4 und 5 Uhr wurden wir in einen gewaltigen Schrecken gesetzt, indem bey hiesigen Kaltz Feuer entstand, da dessen Frau unvorsichtig und unachtsam mit brennenden Kühn in die Kammer gegangen, wo Flachs gelegen, und dadurch sogleich aus strafbarer Unachtsamkeit den Flachs anzünden lassen. Ungeachtet zeitig genug Lerm gemacht wurde, nahm doch das Feuer überhand, daß binnen einer halben Stunde Kaltz und Dammaschk Häuser, Scheunen und Ställe in voller Flamme standen. Durch Gottes wunderbare Schickung lenkte sich der Wind, daß die starke Gluth ihre Richtung durch die Gärten nahm, und daher Richters und Mehlers Wohnungen konnten gerettet werden. Des Herrn Schneider zu Drehnau Spritz- und persöhnl. Löschanstalt verdient den allerverbindlichsten Dank. Kaltzes waren Kossäten, hatten also das Grundstück von der Gutsherrschaft gepachtet. Nach dem Brand gaben sie das Grundstück an die Gutsherrschaft zurück, die es wieder aufbauen ließ und es mit dem Häusler Pöschke neu besetzte.

1790 Erasmus Gottfried Bernhard Freiherr von Patow kauft das Gut Groß-Mehßow für 26 600 Taler.

Die weitere Siedlungsgeschichte

Wenige hundert Jahre nach der Besiedlung im 13. Jahrhundert kam es zu Veränderungen und Verwerfungen in der Sozialstruktur Groß-Mehßows. Die Gründe waren vielfältig, z. B. Erbteilung oder auch Zusammenlegung (durch Heirat) zweier Wirtschaften, Einzug des Ackers durch den Gutsherrn (Bauernlegen), Ansiedlung von Handwerkern durch den Gutsherrn, u. a. Wurde die landwirtschaftliche Fläche eingezogen, verblieb dem Bauern nur noch Hof, Haus und Garten und er ging als Tagelöhner auf dem Gut arbeiten. Man nannte ihn Gärtner.

Aber auch späte Zusiedler oder zweite und dritte Söhne der Hufenbauern, die nicht ausgewandert waren, sanken als Gärtner herab. Manche konnten noch etwas Alt- oder Neubruchland erwerben und erhielten Nutzungsrechte zur Hütung, Grasschnitt und Streuharken im Wald. Am Hufenland selbst hatten sie aber keinen Anteil.

So veränderten sich die Groß-Mehßower Grundstücke im Spätmittelalter und der Neuzeit – aus den ursprünglichen relativ gleichmäßigen Ein-Hufenhöfen entstanden zusätzlich einerseits 1 ½ und Zwei-Hufenhöfe und andererseits landlose Gärtner. Aber noch eine dritte Spezies kam hinzu. Es waren die  Handwerker, die nicht nur der Gutsherr benötigte, sondern auch die Bauern: Schmied, Tischler, Leineweber, Schuhmacher, Zimmerleute, Stellmacher u. s. w. Um sie seßhaft zu machen verkaufte oder überließ der Gutsherr ihnen ein Stück, meist unfruchtbares, (Un-) Land und stellte ihnen Bauholz für ein kleines, bescheidenes Häuschen zur Verfügung. Die „Häusler“ nannte man sie daraufhin.

                                                  Groß-Mehßow im 16. Jahrhundert.

War Groß-Mehßow im 13. Jahrhundert als ein reines Bauerndorf gegründet worden, so ist es zwei bis drei Jahrhunderte später als besagtes Bauerndorf, in einer Auflösung begriffen, und Jahrzehnte vor dem verheerenden Dreißigjährigen Krieg (1618-1648) ergab sich bereits eine veränderte Sozialstruktur: Die vorrangigen Ein-Hufen-Bauern von damals gab es um 1600 so nicht mehr. Die Struktur hatte sich verändert. Ein- bis Zwei-Hufenbauern, Gärtner, und Häusler prägten jetzt das Bild in Groß-Mehßow:

  • Hüfner, das sind die Ein- bis Zweihufen-Bauerngrundstücke, Erbpächter von gutsherrlichem Grund und Boden mit einer Größe von etwa 3 – 15 Hektar.
  • Gärtner, das sind landlose Pächter, aus von der Gutsherrschaft eingezogenem Land entstanden, die nur noch den Hof und Garten bewohnen (etwa 2000 – 6000 m2).
  • Häusler, das sind landlose Eigentümer ihrer Grundstücke, vorwiegend Handwerker (etwa 1000 – 2000 m2).

Als sich das Leben und Wirtschaften nach dem Dreißigjährigen Krieg (1618 – 1648) in Groß-Mehßow langsam wieder stabilisierte und normalisierte, kam es zu einer grundlegenden Regulierung der gutsherrschaftlich-bäuerlichen Verhältnisse und zu einer Umverteilung landwirtschaftlicher Flächen in der Gemarkung. Denn in der Kriegs- und Nachkriegszeit entstand eine gewisse Unordnung in diesen Bereichen und die Gutsherrschaft versuchte nun, wieder etwas Ordnung in die dörfliche Struktur zu bringen, zumindest bei ihren Pächtern, den Hüfnern und Gärtnern. Auf Grund steigender Bevölkerungszahlen nach dem Krieg kamen immer mehr Fremde, Arbeit suchend, nach Groß-Mehßow.

So war die Gutsherrschaft nicht mehr nur auf die Gärtner als Vollzeit-Beschäftigte angewiesen und stattete diese jetzt wieder mit Ackerland aus, das sie vorwiegend den Zweihufen-Bauern wegnahm. Damit reduzierten sich die großen Bauerngrundstücke zu ihren Lasten und zum Vorteil der Landlosen, die wiederum aufstiegen. Aus den gut begüterten Hüfnern und den landlosen und armen Gärtnern entstand jetzt eine neue, annähernd gleiche Sozialschicht, nämlich Bauerngrundstücke mit zwischen 7 bis 12 Hektar Land, die Kossäten. Neue Pachtverträge zwischen der Gutsherrschaft und den Kossäten regelten die Mietzahlungen in Form von Abgaben und Diensten gegenüber dem Gutsherrn als Verpächter. Sie mußten an bestimmten Tagen ihre Arbeitskraft, Arbeitstiere und Geräte der Gutsherrschaft zur Verfügung stellen (Hand- und Spanndienste leisten). Aber auch die Gutsherrschaft hatte Verpflichtungen zu den Mietern.

Bei näherer Betrachtung der Sozialstrukturen wird deutlich, daß die traditionellen Bauerndörfer Groß-Mehßow, wie auch Klein-Mehßow, sich schon vor dem Dreißigjährigen Krieg als reine Bauerndörfer in ihrer Auflösung befanden. Einst als reine Bauerndörfer gegründet, gab es um 1800 nur noch etwa 50 % „richtiger“ Bauernhöfe. Die Ansiedlung benötigter Handwerker, „Bauernlegen“ der Gutsherrschaft, eine wachsende Bevölkerung und andere Faktoren hatten die Zahl der landlosen Tagelöhner und auch landarmen Eigentümer ansteigen lassen. Anders dagegen die anderen Dörfer des Kirchspiels, Radensdorf, Schrackau und Tugam. Sie blieben weiterhin reine Bauerndörfer, natürlich ihren Gutsherrschaften untertänig.

                                                    Groß-Mehßow im 19. Jahrhundert.

So gliederte sich Groß-Mehßow um 1800 in 13 Kossätenwirtschaften (als Bauern und Mieter) und 15 Häusler (als Eigentümer). Auch bei den Eigentümern muß es Veränderungen gegeben haben, denn sie verzeichneten inzwischen einen Landbesitz von 2 – 10 Morgen (0,5 – 2,5 ha), natürlich einschließlich Hof- (Haus-) und Gartenraum. Wenn man berücksichtigt, daß bei einer in dieser Zeit durchschnittlich geringen Leistungsfähigkeit der Landwirtschaft man erst ab etwa 30 Morgen von einer selbständigen Wirtschaft reden kann, wird deutlich, daß es sich bei den Häuslern nur um Klein- und Kleinstbauern handelte. Diese kleinen Landwirtschaften konnten eine Familie nicht ernähren und so waren sie gezwungen, ein Handwerk auszuüben, oder als Tagelöhner auf dem Gut für ein Zubrot zu sorgen.

Das Bergwerk

Am 2. September 1544 meldeten die Brüder und Vettern von Drauschwitz dem Landvogt Graf Albrecht Schlick, daß sie in der Feldmark Groß-Mehßow ein Erdreich gefunden haben, aus dem sie hoffen Alaun und Kupferwasser gewinnen zu können. Da sie finanziell nicht in der Lage waren, das Erdreich allein auszubeuten, hatten sie ihre Onkel und Schwager aus der Verwandtschaft, sowie gute Freunde für das Werk gewonnen. Sie erhielten daraufhin zusammen mit ihren Mithelfern das Erdreich als Lehn. 1546 entstand hinter dem Kohlhof ein Bergwerk. Das heutige letzte Grundstück nach Crinitz zu (Gnerlich, Nr. 13) trägt den alten Hofnamen Hüttmann und das Gebiet um das Grundstück herum nannte sich Etablissement Kupferwasser, was auf das Kupferwasserwerk schließen läßt. 1703 war Jakob Putz herrschaftlicher Vitriolsieder. 1818 wurden im Kupferwasser 2 Wohnhäuser mit 10 Einwohnern gezählt. Demnach dürfte das Grundstück Nr. 12 auch dazu zählen.

Das Bergwerk in Groß-Mehßow 1546 – Startzeit für die West-Erweiterung Groß-Mehßows.

Die Ausbeute kann aber nicht sehr groß gewesen sein, oder waren die Rohstoffe erschöpft, denn im 18. Jahrhundert war das Kupferwasserwerk schon verfallen. Der Gutsbesitzer von Walther und Croneck versuchte einen neuen Anlauf und errichtete um etwa 1750 in der Nähe der Kleinen Mühle ein neues Werk. Aber auch hier gab es nicht die erwartete Ausbeute, und es ist bald wieder eingegangen. Letzter, zumindest im Kirchenbuch erwähnter Vitriolsieder Ende des 18. Jahrhunderts, war Johann Gottlob Müller. Noch zu Beginn des 19. Jahrhunderts, 1823, wird 1 Fabrikler erwähnt.

Groß-Mehßow um 1800. Das neue Kupferwasserwerk befindet sich jetzt nahe der Klein-Mühle.

Im Jahr 1814 bereiste der Geologe J.C.H. Kaden im Auftrag des Königlich-Sächsischen-Oberbergamtes Freiberg Teile der Niederlausitz zu geologischen Untersuchungen. Im Ergebnis entstand seine Beschreibung zur petrographischen Charte von einem Theile der Niederlausitz. 1880 greift H. Cramer in seinen Beiträge zur Geschichte des Bergbaus in der Provinz Brandenburg das Alaunbergwerk wieder auf, und vermerkt über die Gewinnung von Kupfervitriol aus einer Moorerde zwischen Groß- und Klein-Mehßow:

Bei wärmerer Temperatur soll der Vitriol daselbst auf der Oberfläche des Moores in kleinen weißen Krystallen anschießen. Die Vitriolerde soll anscheinend einige Ellen mächtig, und überall von Moorerde umgeben sein, so daß man sie, da sie mit dieser gleiche Farbe habe, blos durch das Ausscheiden der weißen salzig schmeckenden Krystalle unterscheiden könne. An manchen Stellen wird die Moorerde als reich bezeichnet, und Kaden fügt hinzu, daß man sie seit mehr als 40 Jahren zur Bereitung von Kupfervitriol gebraucht habe, der vorzüglich nach Cottbus versendet worden sei; jedoch habe Kaden die Spuren eines früheren Siedewerkes nicht mehr gesehen. Es wird noch hinzugefügt, daß die Benutzung der Vitriolerde sehr bald aufgehört habe, indem die Güthe derselben gegen die südliche Seite des Dorfes nachgelassen, weshalb man sie gegen Norden aufgesucht habe. Hier sei es anfänglich gut gegangen, allein durch den Tod des alten Siedemeisters sei endlich das Werk in Verfall gekommen, indem neuere Siedemeister blos mit Nachtheil Kupfervitriol hervorgebracht hätten. Um den Gehalt kennen zu lernen, habe Kaden den Professor Lampadius in Freiberg um eine Untersuchung gebeten, welche ergeben, daß sie Theile Kupfervitriol enthalten habe. Auf der alten Karte der Niederlausitz von Pietrus Schenk aus dem Jahre 1757 findet sich an jener Stelle die Bezeichnung ,,Kupferwasserwerk“.

Dieser Ausdruck läßt erkennen, daß hier auf Seiten des Berichterstatters Kaden jedenfalls ein Irrthum vorliegt: Unter dem chemisch nicht correkten Namen ,,Kupferwasser“ wird noch heute im gewöhnlichen kaufmännischen und technischen Verkehr nicht der Kupfervitriol, sondern der Eisenvitriol verstanden, so daß es sich hier einfach um ein Eisenvitriolwerk handelt, wozu der schwefelkiesreiche Torf Veranlassung gegeben hat. Der eigenthümliche Name rührt daher, daß bei der Gewinnung des Kupfers aus Kupfervitriollauge durch Cementation mit Hülfe von Eisen der Eisenvitriol als Nebenprodukt gewonnen wird. (H.Cramer: Beiträge zur Geschichte des Bergbaus in der Provinz Brandenburg. 5. Heft Die Niederlausitz. Halle 1880.)

Alaunerde ist eine braune Erde, die aus Braunkohle, Ton und (oft in Zersetzung befindlichem) Schwefelkies besteht. Aus dieser wurde Alaun gewonnen. Dabei hat man die Alaunerde in Haufen aufgeschüttet und 2-3 Jahre an der Luft verwittern lassen. Dabei bildete sich aus dem Schwefelkies Schwefelsäure und Eisenoxid. Die Schwefelsäure zersetzt den Ton zu schwefelsaurer Tonerde. Die so vorbereiteten Alaunerze wurden ausgelaugt, wobei man die Lauge verdampfte und sich das Alaun bildete (vereinfachte Darstellung). Sehr eisenreiche Laugen bildeten zunächst Kristalle von Eisenvitriol (Kupferwasser), wodurch viele Alaunwerke auch gleichzeitig Vitriolwerke waren. Beim Verdampfen scheidet sich Eisenoxid (Vitriolschmant) ab, das als Rohstoff für rote Farbe diente.

Die Siedlung „Kupferwasser“ geht auf das alte Bergwerk zurück. Heute ist der Name in Vergessenheit geraten. Karte: Karte des Marggraffenthums Nieder Lausitz, von Petrus Schenk, 1757.

Alaun diente zur Herstellung von Farben und Farblacken, in der Färberei als Rotbeize, in der Weißgerberei, zum Leimen von Papier, als schwer brennbarer Anstrichstoff, als fäulnishemmendes Mittel, zum Aufbewahren von Fellen, als Zusatz zum Brot (um schlechtes Mehl verwendbar zu machen), als blutstillendes Mittel, als Rasierstein und als Zahnpulver.

Das Kupferwasser, richtig heißt es Eisenvitriol, ist eigentlich ein Zersetzungsprodukt aus Schwefelkies im Ton- und Kohlenschiefer und kommt auch in Grubengewässern vor. Bei der Zersetzung von kupferhaltigen Kiesen entsteht auch Kupfervitriol. Verwendung fand es in der Färberei zum Schwarzfärben (mit Gerbsäure) und zum Blaufärben (mit Blutlaugensalz), zur Zubereitung von Tinte und Lederschwärze, zur Gewinnung von Kupfer auf nassem Wege und als Heilmittel.

Siehe auch das Buch: Dieter Sperling, Rohstoffgewinnung und Altbergbau im Förderraum Calau, herausgegeben vom Förderverein Kulturlandschaft Niederlausitz e.V.

Der Dreißigjährige Krieg

In und um Groß-Mehßow hatte der Dreißigjährige Krieg seine Spuren hinterlassen. Während vor dem Krieg die jährlichen Geburten in Groß-Mehßow und in den eingepfarrten Dörfern sich auf 15 bis 20 und mehr beliefen, lagen sie zu Ende des Krieges ab 1643 bei 4 bis 5. Drei Jahre nach Kriegsende, ab 1651, ist wieder ein leichter Anstieg auf 8 bis 10 Geburten pro Jahr zu verzeichnen. Es ist zu vermuten, daß ein Teil der Bevölkerung während des Krieges auch geflüchtet war, und nach Eintreten der Ruhe zurückkam und die verlassenen Wohnungen wieder einnahm.

In Drehna war das Schloß zerstört, Kirche, Pfarrhaus, Schule und zahlreiche Gehöfte abgebrannt und der Ort ohne Pfarrer. Deshalb tauften und beerdigten von 1644-1649 die Groß-Mehßower Pfarrer Mitius und sein Nachfolger Haendel Personen aus der Drehnaer Kirchengemeinde. Das kleine Dorf Babben war ein Schutthaufen. 1626 zogen Wallensteins Truppen auf der Handelsstraße nach Luckau durch den Kreis Calau. Dabei hausten sie furchtbar. Buckow, Bathow, Berlinchen und Teile von Zinnitz wurden zu wüsten Dörfern. Durch Mangel an Menschen ist Berlinchen nie wieder aufgebaut worden. Aber auch die Pest wütete. 1626 starben von Oktober bis Dezember allein in Klein-Mehßow 30 Personen, die auf dem Feld (!) beerdigt wurden (siehe Auszug aus dem Totenverzeichnis). Der alte Flurname Bei den Todten Leibern deutet auf diese Stelle hin.

Die Pest kam 1632 erneut in Schrackau zum Ausbruch, wo im November 9 Personen von ihr weggerafft wurden, und in Radensdorf starben im November 1634 16 Personen. Groß-Mehßow und Tugam wurden größtenteils von der Pest verschont, obwohl in Groß- Mehßow 1634 auch einige daran starben.

Näherte sich dem Dorf eine Kriegsschar, egal ob feindlich oder freundlich, denn geplündert wurde doch, flüchteten die Einwohner mit ihrem Vieh und den wichtigsten Habseligkeiten in die sumpfige Gebüsche. Sümpfe gab es damals viele in der nassen und quellreichen Gegend um Groß-Mehßow und sie boten daher stets unzugängliche Verstecke. War die Gefahr vorüber, kam alles wieder hervor, und die Bauern gingen an ihre Arbeit. Einmal hatte ein Bauer von Möhlers Grundstück (Nr. 23, heute Natusch) den Busch unvorsichtig zu zeitig verlassen und wurde von einem Soldaten erschossen.

Das Totenverzeichnis mit den Pesttoten im Kirchbuch Groß-Mehßow 1626.

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Historische Ereignisse in Groß-Mehßow des 18. Jahrhunderts – PDF herunterladen (Quelle: Rainer Kamenz, Das Groß-Mehßower Kirchspiel – die Groß- und Klein-Mehßower Dorfchronik, 2016).