Lausitzer Grenzwall

Der Lausitzer Grenzwall  (auch Niederlausitzer Grenzwall,  Lausitzer Höhenzug, Lausitzer Landrücken  oder Niederlausitzer Landrücken  genannt) ist ein schmaler, bewaldeter Höhenzug, der von Nordwesten aus dem Fläming bei Dahme kommend nach Südosten bis in die Sorauer Gegend der östlichen Niederlausitz (Polen) quer durch die südliche Niederlausitz verläuft. Die Ausdehnung des Lausitzer Grenzwalls beträgt rund 150 km, bei einer wechselnden Breite von 1,5 bis 15 km. Die Oberfläche ist eine wellenförmige Hochebene, die an einzelnen Stellen zu bergartigen Hügeln ansteigt. Diese erreichen Höhen von 151 m auf dem Austenberg  bei Dahme und 227 m auf dem Rückenberg   bei Sorau, als höchste Erhebung des Lausitzer Grenzwalls und zugleich der gesamten Niederlausitz, wie auch historisch gesehen der ganzen Provinz Brandenburg.

Der Lausitzer Grenzwall stellt aber nur ein Teilstück des Südlichen Landrückens  (Märkisch-Schlesischer Landrücken) dar, eines großräumigen, eiszeitlichen Endmoränenzuges, der sich von Nordwest nach Südost von den Schwarzen Bergen  bei Hamburg, über die Lüneburger Heide, Colbitz-Letzlinger Heide, Hoher und Niederer Fläming, Lausitzer Grenzwall, Trebnitzer Katzengebirge (Trebnitzer Landrücken, Poln.: Trebnitzer Wall) am Bober in Schlesien bis zu den Flüssen Warthe und Malapane ausdehnt.

Unterteilt wird der Lausitzer Grenzwall von Nordwest nach Südost in Luckau-Golßener Lobus, Drehna-Luckauer Lobus, Calauer Hochfläche,  Drebkau-Altdöberner Lobus, Spremberger Lobus, Muskauer Faltenbogen  und Sorauer Wald.  In Polen wird das östlich der Neiße gelegene Teilstück des Lausitzer Grenzwalls (Sorauer Wald) gemeinsam mit dem Trebnitzer Katzengebirge als Trebnitzer Wall  bezeichnet.

Der Lausitzer Grenzwall ist ein Abschnitt im Südlichen Landrücken (Märkisch-Schlesischer Landrücken). Karte: https://maps-for-free.com/ Der Südliche Landrücken ist in dieser Karte grafisch-farblich hervorgehoben und entspricht nicht der üblichen farblichen Abstufung der Höhen!
Namensdeutung und Namensstreit

Der Name Lausitzer Grenzwall  leitet sich einmal von dem Umstand ab, daß er in seinem südöstlichen Verlauf in etwa die Grenze zwischen der Niederlausitz und der Oberlausitz markiert. Nordwestlich ist das nicht gegeben, weshalb er hier auch gern als Niederlausitzer Landrücken  bezeichnet wird. Zum anderen bezeichnet er den von den eiszeitlichen Gletschern  aufgeschütteten Endmoränenwall. Die Bezeichnung Lausitzer Grenzwall  stellt – wie oftmals auch anderen Ortes – eine Meinungsverschiedenheit zwischen den Fachleuten dar. So ist der historische Name Lausitzer Grenzwall  in jüngerer Zeit oftmals als falsch angesehen und durch den sozialistischen Namen Niederlausitzer Landrücken  ersetzt worden; ein Name, der zukünftig empfohlen wird.

Namensgeber für den Lausitzer Grenzwall war der Geodät und Kartograph Heinrich Berghaus (1797-1884), der sich um 1820 mit diesem Höhenzug befaßte. In seinem bekanntem Landbuch der Mark Brandenburg und des Markgrafthums Nieder-Lausitz (2. Band 1855) beschreibt er den Höhenzug:

Die Nebenflüsse der Spree…entstehen sämtlich innerhalb der Provinz Brandenburg auf oder an dem bemerkenswerthen Höhenzuge, den ich den Lausitzer Gränzwall  nenne…

In der ältesten Bedeütung des Ausdrucks Lausitz müssen wir die Höhenzone, welche die Nieder-Lausitz von der Ober-Lausitz trennt, ihren Gränzwall nennen,…sie kann aber auch die Lausitzer Scheidehöhe genannt werden, wenn der Name Lausitz…mithin die niedere Lausitz von der obern unterschieden wird… Diese Bodenschwelle, welche auf einem großen Theile ihres Zugs die politische Gränze (Grenze, d. Verf.) zwischen der Ober- und der Niederlausitz bildet, erstreckt sich von…der Ostseite der Stadt Sorau bis zu ihrem Anschluß an den Bläming (Fläming, d. Verf.) fast 20 Meilen (158 km, d. Verf.) weit…

Der Botaniker Paul Friedrich August Ascherson (1834-1913) durchwanderte Jahrzehnte später den Lausitzer Grenzwall und nennt ihn in seinem Buch Flora der Provinz Brandenburg (1864) den Lausitzer Höhenzug. Durchgesetzt hat sich aber der Name Lausitzer Grenzwall, so wird er in vielen Publikationen benannt (z. B. Rudolf Lehmann: Geschichte der Niederlausitz).

In der DDR (Deutsche Demokratische Republik) wurde der sozialistische Name Niederlausitzer (Lausitzer) Landrücken  für den Lausitzer Grenzwall geprägt, als eine Ableitung vom Südlichen Landrücken. (Zum Beispiel in Ackerunkrautgesellschaften der Dübener Heide und des Fläming, Horst Jage, 1972.) Der Niederlausitzer Landrücken endet dann auch im Muskauer Faltenbogen im Tal der Neiße, an der deutsch/polnischen Grenze. Seine Länge beträgt nur etwa 100 km (Lausitzer Grenzwall 150 km).

Die Befürworter des Namens Niederlausitzer Landrücken  plädieren für die Verwendung dieses Namens, weil der Lausitzer Grenzwall (ihrer Meinung nach) weder unmittelbar eine Grenze darstellt, noch (genau genommen) ein Wall ist, da Wälle von Menschenhand angelegt sind.

Der Lausitzer Grenzwall verläuft als Fortsetzung des Fläming von der Dahme-Niederung (bei Dahme) bis zur Bober-Niederung (bei Sagan), mit Anschluß an das Trebnitzer Katzengebirge. Karte: OpenStreetMap, grafisch verändert.

Untergliederung des Lausitzer Grenzwalls.  Karte: https://maps-for-free.com/ Grafisch verändert.

Entstehung des Lausitzer Grenzwalls

Entstanden ist der Lausitzer Grenzwall, wie die gesamte ihn umgebene Landschaft, in den erdgeschichtlichen Eiszeit-Epochen (Pleistozän), die insgesamt in einem Zeitraum zwischen 450 000 – 11 700 Jahren vor unserer heutigen Zeit liegen. In den Kalt- oder Eiszeiten dieser erdgeschichtlichen Entwicklung führten Niederschläge in Form von Schnee in Skandinavien zur Inlandseisbildung. Diese Eismassen schoben sich nun südwärts, erreichten unsere Mittelgebirge und bedeckten weite Teile des nördlichen Mitteleuropas mit einer meterhohen Decke. Man schätzt, daß die Eisdecke über der Ostsee 4 000 Meter und in der Lausitz 400 Meter stark war. Das Eis hobelte die Erdoberfläche regelrecht ab und nahm die eingefrorenen Erdmassen mit sich bzw. schob sie vor sich her. Dabei formte das Eis auch unsere heutige Landschaft mit seinen Höhen und Tälern. Dort, wo die Ausläufer der gewaltigen Eismassen zum Stillstand kamen, wurden große Geröllmassen abgelagert, der sogenannte Endmoränenwall. Ein Teil dieses mächtigen Walles ist der Lausitzer Grenzwall.

Glaziale Landschaftsformen.© Hans Hillewaert. Luis María Benítez. Grafisch verändert. https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Receding_glacier-en.svg

Für unser Gebiet entscheidend ist die vorletzte Eiszeit, also die mittlere der drei großen Eiszeiten:

In der Saale-Kaltzeit, vor 300 000 – 130 000 Jahren waren die Gletschermassen mit einer Höhe von fast 1000 Metern in unser Gebiet vorgestoßen. Sie kamen durch die Aufschüttung von Erdmassen im Raum Wüstermarke, Walddrehna, Weißack, Gahro, Crinitz, Groß-Mehßow, Werchow, Drebkau bis Sorau zum Stillstand und hinterließen hier als ehemalige Eisrandlage die Endmoräne, den Lausitzer Grenzwall (Niederlausitzer Landrücken) mit Höhenlagen zwischen 100 m und 227 m über NN. Dazu zählen die Berge Austenberg bei Dahme 151 m, Wachtberg in der Rochauer Heide 158 m, der Brautberg bei Gollmitz 158 m, der Kesselberg bei Cabel 160 m,  der Hohe Berg bei Döbern 184 m und als höchster Berg der Rückenberg bei Sorau mit 227 m.

Der Lausitzer Grenzwall im Luckau-Calauer Raum nach der Eiszeit. Kartengrundlage: OpenStreetMap.

Beschreibung

Beim Abschmelzen der Gletscher sanken Steine, Sand, Ton und alles, was sonst noch im Gletschereis eingeschlossen war, zu Boden. Dieser Absatz bildet als Geschiebemergel oder Geschiebelehm die Grundmoräne. Der Höhenzug des Lausitzer Grenzwalls ist im wesentlichen aus Endmoränen, Grundmoränen und Sandern aufgebaut. Sein Relief ist bewegt und durch Senken und Täler gegliedert. Der Grenzwall bildet durch seine Erhebung eine Wasserscheide im Gebiet der Niederlausitz. Südlich fließen die Gewässer zur Elster hin, nördlich wird in die Spree entwässert. Nur die Spree und die Neiße durchbrechen von Süden kommend den Lausitzer Grenzwall und fließen in Richtung Norden weiter. Aber auch die Dahme und der Bober durchqueren den Südlichen Landrücken und bilden die Grenzen zum Fläming im Nordwesten und zum Trebnitzer Katzengebirge im Südosten. Auf Grund des sandigen, armen Bodens wird wenig Ackerbau betrieben, vielmehr finden sich reichlich Kiefernwälder.

Am Nordrand des Lausitzer Grenzwall sind zahlreiche in der Eiszeit geformte kleine Becken und Täler entstanden, die in das größere Luckau-Calauer Becken übergehen. In unserer Region sind das, neben dem Mehßower Becken, das Crinitz-Drehnaer Becken, Gahro-Weißacker Becken, die Babbener Rinne, Schrackauer Rinne, der Gollmitzer Graben, u. a. In diesen kleinen Becken findet man viele kleine Dörfer.

In der Mehßower Landschaft liegt der Lausitzer Grenzwall südlich, während seine Ausläufer die Landschaft westlich und östlich umfassen. Weiter nördlich befindet sich die relativ ebene  Grundmoräne – das Luckau-Calauer Becken – mit einer durchschnittlichen Höhe von 80 m NN. Diese (eigentlich zwei) große, flache Becken bei Luckau und bei Calau sind in die Grundmoräne eingesenkt, die mit Beckentonen gefüllt sind und grundwassernahe anmoorige Böden zeigen. Das Luckau-Calauer Becken weist gute Böden auf und wird landwirtschaftlich stark genutzt. Im gesamten Gebiet wechseln sich Ackerbau und Forstwirtschaft gleichermaßen ab, wobei je nach Bodengüte unterschiedliche Verteilungen auftreten. In den feuchten Niederungen findet sich Dauergrünland.

Physische Karte Lausitzer Grenzwall im Bereich Luckau-Calau. Kartengrundlage: OpenStreetMap.
Die Schmelzwasser der Eiszeit gruben Rinnen in den Lausitzer Grenzwall. Diese sind heute Bachbett für einige Fließe in der Mehßower Landschaft. Kartengrundlage: OpenStreetMap.

Die bewaldeten Endmoränen im Wechsel mit den eingeschittenen kleinen, nach Norden offenen Becken (oder Tälern) bei Gehren, Bornsdorf, Weißack, Crinitz, Mehßow und Altdöbern geben der Landschaft unserer Heimat ein charakteristisches Aussehen. Trotz ungünstiger landwirtschaftlicher Bodenverhältnisse sind Besiedlungsaktionen anzutreffen, wie z. B. in Zeiten größeren Bevölkerungswachstums in der Bronzezeit (1200 v.u.Z.) oder der Ostkolonisation (ab 1200). Die ständig wachsende Bevölkerung rodete auch Flächen auf dem Lausitzer Grenzwall, um Siedlungen und Äcker anzulegen.

So entstanden in den Randbereichen der Becken und auf den Hochflächen des Grenzwalls Heidestrukturen und die sogenannten „Bauernheiden“. Lediglich die Kernwaldgebiete, wie die Rochauer Heide und die Babben-Rehainer Heide, blieben von dieser Entwicklung verschont. Auch in der Folgezeit wurden sie als Viehweide (Eichelmast) und Jagdrevier (Rotwild, Auerwild) genutzt und erhalten. Bereits im 14. Jahrhundert fielen aber etliche Dörfer auf dem Lausitzer Grenzwall wüst. Die kargen Sandböden waren schnell ausgezehrt und extremer Wind- und Wassererosion ausgesetzt. Um nicht zu verhungern, gaben die Einwohner ihre Höfe auf. Die Ortsnamen Wüstermarke und Sorge erinnern noch an diese Notzeiten. Die Heideflächen verbuschten langsam wieder.

Südlich des Lausitzer Grenzwalls schließen sich die Niederlausitzer Randhügel  an. Sie bilden einen wechselnd breiten, altsaaleeiszeitlichen Platten- und Höhenzug aus Grund- und Endmoränen.

Die Teufelssteine auf dem Lausitzer Grenzwall

Ortsfremde Findlinge, als beständige Zeugen der früheren Eiszeiten, sind im Gebiet des Lausitzer Grenzwalls an vielen Fundstellen anzutreffen. Große Blöcke bilden jedoch eine Seltenheit, wie z. B. die Teufelssteine am Königsberg bei Gehren und im Kemmener Forst

Aber auch die kleineren Findlinge sind seltener geworden. Vor Jahrhunderten wurden damit Kirchen und andere Gebäude gebaut oder Straßen gepflastert. Nach der Gründung der LPG-en (Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft der DDR) und dem folgenden Einsatz größerer Technik wurden auch die Felder tiefer gepflügt. Das brachte viele Findlinge aus der Erde, die früher durch den Pflug nicht erreicht wurden. Den Bauern ärgerten sie, von den Feldern abgelesen fanden sie sich in großen Haufen als Lesesteinhaufen am Feldrand wieder.

Bilder vom Gehrener Teufelsstein, dem größten Findling in Südbrandenburg.

Große Findlinge mit einem Volumen von über 5 m³ sind auf dem Lausitzer Grenzwall allerdings selten anzutreffen. Der bedeutendste und bekannteste Findling in Südbrandenburg ist der Teufelsstein  bei Gehren. Er mißt 4,5 m Länge, ca. 2,5 m Breite, hat einen Umfang von 12 m und ragt etwa 1,5 m aus dem Boden heraus. Sein Volumen beträgt fast 20 m³ und seine ursprüngliche Heimat liegt im skandinavischem Grundgebirge.

 

 

 

 

Mehrere Gravuren zieren den Stein.

 

 

 

 

 

 

 

Der Kemmener Teufelsstein.

Um einiges kleiner und weniger bekannt ist der Teufelsstein  bei Kemmen. Mit 12 m³ hat er trotzdem noch ein beachtliches Volumen und wird auf etwa 20 t geschätzt. Der Findling besteht aus fein- bis mittelkörnigem Granit und zeigt deutliche Klüftungs- und Verwitterungsmerkmale.

Als Kemmener Stein  auf kurzem Wege vom Gollmitzer Bahnhof aus zu erreichen wirkt der Name etwas irritierend. Tatsächlich liegt er aber auf der Kemmener Feldmark, etwa 2,5 km südlich der gleichnamigen Gemeinde und nur etwa 100 m von der Gollmitzer Grenze entfernt, am Rande der Calauer Schweiz.

Der Name Teufelsstein geht auf eine Sage zurück, nach der der Teufel mit diesen großen Steinen nach christlichen Kirchen warf, um sie zu zerstören. Er unterschätzte aber seine Kraft und die Steine gingen weit vor ihrem Ziel im Wald nieder bzw. verfehlten sie ihr Ziel.

Interessant am Kemmener Stein ist eine Bohrung und ein abgeplatztes Stück. Wollte man ihn teilen oder nur Untersuchen? Zu erreichen ist der Teufelsstein über zwei Wege, wobei der von Gollmitz aus vorzuziehen ist (siehe Karte).

Ein durch eine Bohrung…
…herausgeplatztes Stück.
Die Lage des Kemmener Teufelssteins. Karte: OpenStreetMap.
Viele Wege führen nach Rom – hauptsächlich 2 zum Kemmener Teufelsstein. Karte: OpenStreetMap.
Einer der größten Findlinge in Brandenburg – Kobbeln bei Eisenhüttenstadt. Foto: 1923. http://kobbeln.de/der-kobbelner-stein/

 

Raseneisenstein
Eisensandstein vom Finkenberg.

Auf und am Lausitzer Grenzwall findet man auch die nach der Eiszeit entstandenen Raseneisensteinvorkommen. Es handelt sich hierbei um aus Grobsanden und Kiesen mit Eisenhydroxiden verfestigtes Gestein (Bild unten). Raseneisenstein galt als Rohstoff für die Eisengewinnung, schon bei den Germanen, und als Baumaterial (z. B. Kirche in Groß-Mehßow), da er sich gut bearbeiten läßt und durch seine Poren eine effektive Wärmedämmung aufweist.

Das im Volksmund allgemein nur als Raseneisenstein geläufiges Erzvorkommen differenzieren die Geologen aber noch in den tatsächlichen Raseneisenstein  (Raseneisenerz), der nur in den Feuchtniederungen vorkommt und den Eisensandstein  (Ortstein, Brauner Sandstein) auf den Höhenlagen des (z. B.) Lausitzer Grenzwalls. Die ehemals zwei alten Abbaugebiete für Eisensandstein in der hier betrachteten Region, Babben-Crinitz-Fürstl. Drehna-Groß Mehßow, befanden sich auf dem Finkenberg  und im Wolfsdickicht. Beide Steinbrüche liegen auf der Feldmark (Gemarkung) von Babben, das vor 1945 zur Standesherrschaft Fürstlich-Drehna gehörte. Und die beutete die Gruben zur Baumaterialgewinnung auch aus, für u. a. Bauten in Fürstlich-Drehna.

Finkenberg. Auf dem 142 m hohem Finkenberg, einer Höhe in den Babbener Bergen, findet man viele kleine, etwa 1 Meter tiefe Senken (Gruben) vom über Jahrhunderte lang abgebauten Eisensandstein. Vermutlich handelt es sich hierbei um den ältesten Steinbruch, der auch das Baumaterial für die erste Groß-Mehßower Steinkirche im 14. Jahrhundert lieferte.

Pastor Christian Wilhelm Bronisch aus Groß-Mehßow vermerkte in seiner um 1820 verfaßten Chronik von Großmehßo: Das Material, woraus die frühere hiesige Kirche und die untere Hälfte des noch stehenden Thurmes gebaut worden, nämlich ein grober brauner eisenhaltiger Stein (Granit?) aus dem Babbenschen Steinbruche, scheint diesem Gebäude ein hohes Altertum zu bescheinigen.

Unmittelbar unter einer dünnen Waldbodenschicht findet man noch heute den rostig-braunen bis braun-schwarzen Eisensandstein. Er zeigt sich in mittel- bis grobsandiger, teils kiesiger Struktur, die durch eisenoxydhaltige Einbindungen verfestigt ist.

Zahlreiche Vertiefungen auf dem Finkenberg zeugen vom ehemaligen Abbau dieses Steins seit dem Mittelalter.

Der nördliche Aufstieg zum Finkenberg ist beschwerlicher (Bild links). Günstiger erreicht man ihn von Babben aus.

Kleine, knapp 1 Meter tiefe Abbaugruben auf dem Finkenberg (Bild rechts).

 

 

Unmittelbar unter einer dünnen Schicht von Laub, Kiefernadeln und Humus liegen zahlreiche Eisensandsteine (Bild links). Bei klarem Wetter hat man vom Finkenberg aus eine gute Fernsicht (Bild rechts).

 

Etwa 1 km vom Finkenberg entfernt erreicht man – einen interessanten Wald durchwandernd – den ehemaligen Steinbruch  Wolfsdickicht.

 

 

 

Das Wolfsdickicht.

Wolfsdickicht. Ein weiteres Abbaufeld von Eisensandstein befand sich im Wolfsdickicht. Auch dieses ist an der Störung des Waldbodens erkennbar. Der Zugang ist problemlos aus allen Richtungen möglich, der Abbau erfolgte offensichtlich durchgängig, obwohl sich in der Nachbarschaft auch kleine Gruben, ähnlich wie auf dem Finkenberg finden lassen. Allerdings kann es sich hierbei auch um kleine ehemalige Kiesgruben handeln, denn gegenüber des alten Eisensandsteinbruchs befindet sich eine etwa 1 Hektar große, offensichtlich nur noch sporadisch genutzte Kiesgrube aus jüngerer Zeit (20. Jahrhundert). Zwischen dem alten Steinbruch und der jüngeren Kiesgrube verläuft ein Waldweg, der von Fürstlich-Drehna nach Babben führt.

Die Mächtigkeit des Eisensandsteins soll im Wolfsdickicht und auf dem Finkenberg bis zu zwei Meter betragen haben. Auch in der erst im 20. Jahrhundert erschlossenen Kiesgrube Babben befindet sich Eisensandstein. Möglich, daß dieser für den Kleinbedarf in Babben gegraben wurde. Das Ur-Meßtischblatt von 1846 weist allerdings nur die beiden Steinbrüche im Wolfsdickicht und auf dem Finkenberg aus.

Beim Eisensandstein ist der Eisengehalt gegenüber dem Raseneisenstein bedeutend geringer. So enthält der Eisensandstein in der Kiesgrube Babben nur 14,4 % und auf dem Finkenberg gar nur 5,7 % Eisen. Hauptanteil, mit rund 80 – 90 %, ist Quarz (SiO2) – vereinfacht gesagt: Sand. Bog iron ore – also in Brandenburg a raw material with important economical history. SITSCHICK, H., LUDWIG, F., WETZEL, E., LUCKERT, J. & TH. HÖDING

 

 

Der alte Steinbruch im Wolfsdickicht. Vor Ort ist deutlich die durchgängige Störung des Waldbodens durch den Eisensandsteinabbau sichtbar (auf den Fotos hingegen weniger gut).

 

Die Sandgrube im Wolfsdickicht.

 

Die Sandgrube im Wolfsdickicht wird offensichtlich nur noch sporadisch genutzt. Was auf dem rechten Bild wie Eisensandstein aussieht, hat keine Festigkeit.

 

Analog zum Finkenberg findet man auch im Wolfsdickicht kleine Gruben als Zeichen des früheren Eisensandsteinabbaus.

 

Die Lage der beiden ehemaligen Eisensandsteinbrüche im Wolfsdickicht und der östliche auf dem Finkenberg (St.Br). Ur-Meßtischblatt 1846 (Topographische Karte). Bestand: LGB (Landesvermessung und Geobasisinformation Brandenburg).

Die ehemaligen Abbaugebiete des Raseneisensteins (Eisensandstein) in der Feldmark Babben und die Kiesgrube Babben. Karte: OpenStreetMap.

Quellen: U. a. hauptsächlich Führer zur Geologie von Berlin und Brandenburg. Nr. 3: Lübbenau-Calau. 1995. Geowissenschaftler in Berlin und Brandenburg e. V.