Niederlausitzer Grenzwall

Physische Karte Lausitzer Grenzwall.

Der Lausitzer Grenzwall, regional auch Niederlausitzer Grenzwall oder Niederlausitzer Landrücken genannt, ist eine Bezeichnung für einen eiszeitlichen Höhenzug, der von Dahme an in wechselnder Breite und einer Höhenlage von 130 m bis 160 m über Drebkau, allmählich etwas ansteigend, sich bis in die Sorauer Gegend hinzieht. Hier erreicht er im 229 m hohen Rückenberg seine und in der Niederlausitz höchste Erhebung.

In den Kalt- oder Eiszeiten der erdgeschichtlichen Entwicklung führten Niederschläge in Form von Schnee in Skandinavien zur Inlandseisbildung. Diese Eismassen schoben sich nun südwärts, erreichten unsere Mittelgebirge und bedeckten weite Teile des nördlichen Mitteleuropas mit einer meterhohen Decke.

Man schätzt, daß die Eisdecke über der Ostsee 4 000 Meter und in der Lausitz 400 Meter stark war. Das Eis hobelte die Erdoberfläche regelrecht ab und nahm die eingefrorenen Erdmassen mit sich bzw. schob sie vor sich her. So sind nicht nur viele große Steine, die Findlinge, aus Skandinavien zu uns gekommen, sondern das Eis formte auch unsere heutige Landschaft mit den Höhen und Tälern.

Glaziale Landschaftsformen.© Hans Hillewaert. Luis María Benítez. Grafisch verändert. https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Receding_glacier-en.svg

Für unser Gebiet entscheidend ist die vorletzte Eiszeit, also die mittlere der drei großen Eiszeiten: In der Saale-Kaltzeit, vor 300 000 – 130 000 Jahren waren die Gletschermassen mit einer Höhe von fast 1000 Metern in unser Gebiet vorgestoßen. Sie kamen durch die Aufschüttung von Erdmassen im Raum Wüstermarke, Walddrehna, Weißack, Gahro, Crinitz, Groß-Mehßow, Werchow, Drebkau bis Sorau zum Stillstand und hinterließen hier als ehemalige Eisrandlage die Endmoräne, den Lausitzer Grenzwall (Niederlausitzer Landrücken) mit Höhenlagen zwischen 100 m und 229 m über NN. Dazu zählen die Berge Wachtberg in der Rochauer Heide 158 m, der Brautberg bei Gollmitz 158 m, der Kesselberg bei Cabel 160 m und als höchster Berg der Rückenberg bei Sorau mit 229 m.

Der Lausitzer Grenzwall im Luckau-Calauer Raum nach der Eiszeit. Kartengrundlage: OpenStreet Map.

Auch die Bodenverhältnisse sind ein Ergebnis der Eiszeit: Sand und Sumpf, sowie Ton galten einst als Charakteristikum der Niederlausitz. Nach einer Statistik aus dem Jahre 1905 bedeckt der Sand 64 % der Landoberfläche. Der Sandboden herrscht … in allen Kreisen vor, am wenigsten in Sorau, am stärksten in Lübben. Sandiger Lehm und lehmiger Sand findet sich am meisten in Sorau und Spremberg, am wenigsten in Lübben und Guben. An Moorboden sind Luckau und Lübben am reichsten, an Lehm- und Tonboden Guben.  Freytag-Roitz: Die Entwicklung der Landwirtschaft in der NL seit ihrer Zugehörigkeit zum Hause Hohenzollern 1815-1900. Berlin 1900.

Die bewaldeten Endmoränen im Wechsel mit den eingeschittenen kleinen, nach Norden offenen Becken (oder Tälern) bei Gehren, Bornsdorf, Weißack, Crinitz und Mehßow geben der Landschaft unserer Heimat ein charakteristisches Aussehen. Trotz ungünstiger landwirtschaftlicher Bodenverhältnisse sind Besiedlungsaktionen anzutreffen, wie z. B. in Zeiten größeren Bevölkerungswachstums in der Bronzezeit oder der Ostkolonisation (13. Jahrhundert).

Ortsfremde Findlinge, als ständige Zeugen der früheren Eiszeiten, sind im Gebiet des Lausitzer Grenzwalls an vielen Fundstellen anzutreffen. Große Blöcke bilden jedoch eine Seltenheit, wie z. B. die Teufelssteine am Königsberg bei Gehren und im Kemmener Forst.

Auf dem Lausitzer Grenzwall findet man auch die nach der Eiszeit entstandenen Raseneisensteinvorkommen. Es handelt sich hierbei um aus Grobsanden und Kiesen mit Eisenhydroxiden verfestigtes Gestein (Bild unten). Raseneisenstein galt als Rohstoff für die Eisengewinnung und als Baumaterial (Kirche in Groß-Mehßow). Abbaugebiete waren im Wolfsdickicht und auf dem Finkenberg (Babbener Berge).

 

Raseneisenstein vom Finkenberg.

 

Zahlreiche Vertiefungen auf dem Finkenberg zeugen vom ehemaligen Abbau dieses Steins seit dem Mittelalter.