Naturschutzgebiet

Tannenbusch und Teichlandschaft Groß-Mehßow

                                                                                        Fotos und Gestaltung: Detlef Voigt.

Die reizvolle und vielfältige Mehßower Landschaft befindet sich unmittelbar im Naturpark Niederlausitzer Landrücken. Feuchtgebiete mit Quellen, Teichen, Moor- und Sumpfzonen, Kiefern und Tannen wechseln sich ab mit trockenen und fast unfruchtbaren Sandböden und Sanddünen mit Kiefern. Alles im Kleinformat dieser nur 26,9 km² großen Region. Der westliche Landschaftsteil liegt Abseits jeglicher Hauptverkehrsadern, ist dadurch wenig bekannt und verschafft dem Gebiet eine unheimliche und erholsame Ruhe.

Weidewirtschaft in der Mehßower Niederung bei Klein-Mehßow. Im Hintergrund die riesigen Windenergieanlagen – Fluch oder Segen?

Während in der Mehßower Niederung, der östlichen Landschaft mit den Bächen Schrake und Schuche, Feld- und Wiesenwirtschaft betrieben wird, an dem sich weiter östlich Kiefernwälder anschließen, bietet die Mehßower Hochebene im westlichen Landschaftsteil eine beeindruckende Fauna und Flora. Von der Eiszeit geformt, liegt die Mehßower Hochebene am nordöstlichen Rand des Lausitzer Grenzwalls und ist von einer großen Tonplatte unterwandert. Der Niederschlag, der in den sandigen Kiefernwäldern des Lausitzer Grenzwalls versickert, gelangt auch auf diese Tonschicht und wird so gezwungen, in geringer Tiefe in einer Art Zwischenabfluß, auf der im nördlichem bis östlichem Gefälle liegenden Tonschicht abzulaufen.

Das Wasser sammelt sich dabei in Mulden (Dorfteich Groß-Mehßow) oder drückt als Quelle an die Oberfläche (Quellen in der Teichlandschaft und im Dorf Groß-Mehßow). Die Folge sind grüne Böden mit einer Artenvielfalt an Pflanzen. Außerdem bieten sich optimale Voraussetzungen zur Anlegung von Fisch-Teichen an, wovon früher rege Gebrauch gemacht wurde. Denn Süßwasserfische waren und sind eine beliebte Nahrungsalternative (wie auch das Wild) und sorgen für eine abwechslungsreiche Kost, früher fast ausschließlich nur auf den Tischen der Gutsherrschaften anzutreffen. Die Fischzucht ist also sehr alt, und was die Herrschaft nicht selbst verwerten konnte, wurde verkauft (sogar bis Berlin) und so betrieb man über Jahrhunderte hinweg in allen angelegten Teichen eine intensive Fischwirtschaft. Das Erbe daraus ist die heutige Groß-Mehßower Teichlandschaft.

                                                                                                                     Foto: Detlef Voigt.

Aber auch die Tanne, wie sie im Volksmund der Niederlausitz genannt wird, fand hier gute Bedingungen vor und entwickelte sich zu einem kleinen Wald – dem hinter den Teichen befindlichem Tannenbusch. Die Fachleute hingegen – die Botaniker – wissen es genauer, denn tatsächlich ist es nicht die Tanne, sondern die Niederlausitzer Tieflandfichte, die hier in Groß-Mehßow heimisch geworden ist und einst aus den Gebirgen in die Niederlausitz einwanderte. Tanne und Fichte zu unterscheiden ist für den Laien nicht einfach, läßt sich aber fühlen: Die Fichte sticht, die Tanne nicht.

Birken, Fichten, Kiefern und ein saftiges Grün – das ist die Mehßower Hochebene. Früher wurden hier auch Rinder, Schafe und Hausschweine im Tannenbusch gehütet.

So entstand also auf der Mehßower Hochebene das heute noch zu bewundernde Ensemble Teichlandschaft und Tannenbusch. Manch einem aufmerksamen Einwohner wird das schon in den Jahrhunderten zuvor aufgefallen sein, aber erst seit dem 19. Jahrhundert findet dieses interessante Stückchen Landschaft in der Literatur eine Erwähnung. So bezeichnet Aschserson 1864 den Groß-Mehßower Tannenbusch als urwüchsig.

Zum Ende des 19. Jahrhunderts waren die Groß-Mehßower Teiche verpachtet und wurden vom Pächter wenig gepflegt. Sie wuchsen immer weiter zu. 1897 kündigte die Gutsherrschaft dem Pächter und ließ die Teiche wieder auf ihre alte Größe ausbauen und pflanzte auch Eichen entlang der Wege. 1920 wurde in Deutschland erstmals die Idee eines Naturschutzgebietes gesetzlich verankert. Naturschutzgebiete sind rechtsverbindlich festgesetzte Gebiete, in denen ein besonderer Schutz von Natur und Landschaft in ihrer Ganzheit oder in einzelnen Teilen erforderlich ist.

Noch in der DDR wurde man sich bewußt, daß dieses Gebiet im westlichen Groß-Mehßow schützenswert ist und so stellte man ein 50 Hektar großes Areal unter Naturschutz. 1996 wurde es schließlich auf 203 Hektar erweitert. Damit erreichte man einen umfassenden Gebietsschutz, der neben der Pfeifengras-Fichten-Kiefer-Waldvegetation nun auch die gesamte Teichlandschaft, Wiesen und feucht moorige Standorte mit einbezieht. Das Naturschutzgebiet Tannenbusch und Teichlandschaft Groß-Mehßow, wie es heute bezeichnet wird, gilt als Bestandteil des europäischen ökologischen Netzes NATURA 2000 und genießt einen europäischen Schutzstatus.

Wanderung durch den Tannenbusch – fast abrupt geht der feuchte Tannenbusch in den trockenen Kiefernwald des Lausitzer Grenzwalls (Bildhintergrund) über.

Die vielfältige und ruhige Landschaft bietet den störungsempfindlichen und bedrohten Tierarten ideale Lebens- und Entwicklungsräume. Dazu zählen, Kranich, Fischotter, Seeadler, Waldeidechse, Glatt- und Ringelnatter, Berg- und Kammolch, Laubfrosch, Rotbauchunke, Libellen, außerdem Pflanzenarten, wie Rundblättriger Sonnentau, Königs- und Rippenfarn, Sumpf-Porst, Glockenheide, verschiedene Torfmoose, usw.

Im Mühlteich gibt es mehrere Bauminseln.

Außer am Wurzelteich, wird in allen Teichen eine extensive Fischwirtschaft betrieben. Acht Kleingewässer, Tümpel mit jeweils 300 – 400 Quadratmetern, wurden zusätzlich angelegt, in denen sich eine Artenvielfalt entwickelt hat. Auch in der reizvollen Teichlandschaft gibt es eine Besonderheit. Am Gewässergrund sind zahlreiche Großmuscheln zu finden. Sie sind Grundlage für das Vorkommen des Bitterling. Dieser Fisch überläßt seine Brut dem Schutz der Muscheln und sorgt seinerseits für die Verbreitung der Schalentiere.

Vier kleine Tümpel wurden in der Nähe des Großteichs angelegt. Sie dienen als Laichgewässer für die Rotbauchunke. Das Gewässer darf keine Fische enthalten, sie fressen gern den Laich dieser Froschart.

Die Teiche bilden mit kleinen Moorbereichen, Bruchwäldern, Quellen und unverbauten Bachabschnitten ein abwechslungsreiches Lebensraummosaik, in dem Wasservögel, Amphibien und mit etwas Glück auch der Fischotter beobachtet werden können.

Eine der seltenen Wanderungen durch die Teichlandschaft und den Tannenbusch unter fachlicher Führung des Naturparkleiters (Naturpark Niederlausitzer Landrücken) Udo List, 2018. Foto: Daniel Witt.

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