Geologie, Bodenschätze

Geologische Verhältnisse in der Mehßower Landschaft

Die Bodenbeschaffenheit und die Form der Mehßower Landschaft, einschließlich dessen Umfeld, sind das Ergebnis der vorletzten Eiszeit (Saale-Eiszeit vor etwa 300 000 – 130 000 Jahren). Die riesige Eisschicht hobelte die Erdoberfläche regelrecht ab und schob Erdmassen vor sich her. In hiesiger Gegend kam das Eis zum Stillstand, schmolz schließlich wieder ab und hinterließ in etwa die heutige Landschaft, als Endmoränengebiet. Neben dem sandigen Lausitzer Grenzwall wurden an seiner Nordseite Tonschichten in geringer Tiefe gebildet, die das Niederschlagswasser halten und nicht tiefer versickern lassen. So konnte sich hier eine interessante Fauna und Flora ausbilden.

Das auf den Lausitzer Grenzwall niedergehende Regenwasser gelangt auch auf die Tonschicht und erreicht über einen Zwischenabfluß die nord- bis östlichen Ebenen, wo es an Stauchungen als Quellen hervortritt.

Der arme Sandboden des Lausitzer Grenzwalls läßt das Niederschlagswasser gut versickern.

Groß- und Klein-Mehßow und die Braunkohle

Vom mengenmäßigen Vorkommen her und im 20. Jahrhundert von wirtschaftlicher Bedeutung stand die Braunkohle an erster Stelle. Besonders in der DDR, die auf Grund von Devisenknappheit am internationalen Ölgeschaft nicht teilnehmen konnte, bildete die Braunkohle durch ihre Verstromung eine wichtige Lebensgrundlage des Staates. Als Folge des 1957 beschlossenen DDR-Energieprogramms entstanden die Braunkohlenkraftwerke Lübbenau (1957) und Vetschau (1960). Damit verbunden war die Erschließung großräumiger Tagebaufelder in den Kreisen Calau und Luckau.

Blick in den Tagebau Schlabendorf-Nord 1976. Im Hintergrund (rechts) das hungrige Kraftwerk Lübbenau.

1959 wurde der Tagebau Schlabendorf-Nord aufgeschlossen, der im Verlauf von knapp zwei Jahrzehnten eine Fläche von 2 200 Hektar auskohlte. Die geförderte Kohle diente infolge geringer Qualität (hoher Schwefel- und Aschegehalt) ausschließlich als Kesselkohle für das ehemalige Kraftwerk Lübbenau. Der mit zwei Brücken betriebene Tagebau zwang zur Verlegung von Wegen, Straßen und Gewässern (Wudritz, Schrake) und zum Abriß der Dörfer Stoßdorf (1963/64) und Tornow (1967).

Der Vorschnittbagger 650 bei Drehna im Jahre 1979. Im Hintergrund die Wüste Kirche, die noch im Herbst des gleichen Jahres gesprengt wurde.

Für den nachfolgenden Tagebau Schlabendorf-Süd begannen 1972 die Entwässerungsarbeiten und 1975 südlich von Zinnitz die Aufschlußarbeiten. Als Folge versiegten in Groß- und Klein-Mehßow die Brunnen, Gräben trockneten aus und jahrhunderte alte Bäume nahmen Schaden oder starben ab. An den Häusern entstanden Schäden – die Klein-Mühle mußte sogar gänzlich abgerissen werden.

Der Tagebau Schlabendorf-Süd am Ortsausgang von Drehna Richtung Presehnchen 1983.

Ab 1977 war Schlabendorf-Süd dann voll in Betrieb mit zwei Abraumförderbrücken F 34. Bis zur Einstellung im Januar 1991 wurden 171,1 Millionen Tonnen Kohle gefördert und dafür 843,3 Millionen Kubikmeter Abraum bewegt. Der Tagebau beanspruchte 3 292 Hektar Land, und ihm fielen die Dörfer Gliechow, Pademagk, Stiebsdorf, Presenchen und Wanninchen zum Opfer. Weitere Tagebaue waren Seese-West (1962-1978) und Seese-Ost (1983-1996).
Der Preis für diese Energiepolitik sind über 9 600 ha zerstörter Kulturlandschaft und Kulturdenkmähler, der Abriß von 12 Dörfern und weiteren Ortsteilen, mit einer Umsiedlung von 2 100 Einwohnern. Im gesamten Lausitzer Braunkohlenrevier wurden von 1924 (erster Abbruch eines Dorfes) bis 1993 77 Ortschaften abgerissen und 14 466 Einwohner umgesiedelt. Die meisten Dörfer, nämlich 49, fielen von 1974 bis 1989 den Tagebauen zum Opfer. 1990, im letzten Jahr der DDR, arbeiteten hier 17 Tagebaue mit über 55 000 Beschäftigten.

Der Neuaufschluß des Braunkohlentagebaus Schlabendorf-Süd bei Zinnitz 1979.

Pläne für weitere Abbaufelder nach dem Jahr 2 000 lagen bereits in den Schubfächern: Im ehemaligen Bezirk Cottbus sollte in 21 Tagebauen das schwarze Gold abgebaut werden; so unter anderem Luckau-Süd, Crinitz-West und Crinitz-Ost. Letzterer sah auch den Abriß von Groß-Mehßow vor. Das Umsetzen all dieser Tagebauplanungen hätte noch einmal einen gravierenden Einschnitt in das Landschaftsgefüge der Lausitz zur Folge. Besonders tragisch wäre der Verlust bei Gebieten, die auf Grund ihrer Besonderheiten unter Schutz gestellt wurden. So war vorgesehen, neun Naturschutzgebiete und sieben Landschaftsschutzgebiete vollständig den Tagebauen zu opfern.

Die ehemalige Wüste Kirche bei Fürstlich-Drehna wurde infolge Beanspruchung des Geländes durch den Tagebau Schlabendorf-Süd am 5. Oktober 1979 (Turm) und am 8. Oktober 1979 (Schiff) gesprengt.

Durch die Vernichtung solcher Schutzgebiete wären für die Lausitz typische Waldgesellschaften (Kiefern/Traubeneichenwald, Sumpfporst/Kiefernwald) und einige höchst wertvolle Einzelkomponenten der Naturausstattung im Lausitzer Tiefland verloren gegangen. Parallel mit der Zerstörung der Kulturlandschaft geht die Vernichtung kulturhistorisch wertvoller Bauten bzw. Denkmäler einher. Der Abriß der „Wüsten Kirche“ und die teilweise Zerstörung der Parkanlagen in Fürstlich-Drehna sind ein typisches Beispiel aus unserer unmittelbaren Umgebung. Weitere Verluste sind die Kirchen in Vorberg, Seese, Schönfeld, Tornow, und Pritzen. Und folgen sollten die Kirchen Schlabendorf, Sallgast, Saßleben, Reuden, Kalkwitz, Annahütte, Dollenchen…

Der ab etwa 2020 geplante Tagebau Crinitz-Ost, wenn die DDR überlebt hätte. Karte: OpenStreetMap.
Die Mehßower Landschaft nach der Renaturierung des Tagebaus Crinitz-Ost im Jahre 2099, wenn dieser Tagebau Realität geworden wäre. Karte: OpenStreetMap.

Das Ende der DDR 1990 beendete vorübergehend diesen Raubbau. Weltweit steigende Rohstoffpreise zu Beginn des 21. Jahrhunderts machen auch die Kohle wieder interessant, und der Abbau dieses Rohstoffs mit der folgenden Zerstörung der Natur und dem Lebensraum der Menschen geht in eine neue Runde. Während die Wunden in der Landschaft langsam verheilen, wird die weit über die Tagebaue hinausreichende Grundwasserabsenkung noch Jahrzehnte nachwirken.

Der Braunkohletagebau Schlabendorf-Süd und die Mehßower Landschaft

Zu Beginn der 1970-er Jahre wurde es auch in der Bevölkerung zur Gewißheit, daß in Zukunft ein neuer Braunkohletagebau für erhebliche Veränderungen im landschaftlichen Umfeld sorgen sollte. Hiobsbotschaften, wie der Abriß vieler Dörfer und der Wüsten Kirche machten die Runde und sollten sich bestätigen. Dieser neue Tagebau, genannt „Schlabendorf-Süd“, kam nicht nur der Mehßower Landschaft bedrohlich nahe, er knabberte letztlich auch ein Stück im Nordwesten von ihr ab und sorgte für erheblichen negativen Einfluß. Unmittelbar von diesem  Tagebau betroffen war nämlich die Gemarkung Tugam. Hier wurden geschätzte 75 Hektar mehr oder weniger beansprucht, die Schrake umverlegt und im Tagebau selbst verschwanden 32,7 Hektar, die jetzt als Wasserfläche des Drehnaer See´s zur Verfügung stehen.

                 Elektrifizierungsarbeiten für den neuen Tagebau nahe Tugam, 1976.

Glücklicherweise unberührt blieben jedoch die Teiche und Wälder. Der Brasenteich, der Sandteich und die Groß-Mehßower Fischteiche sind Stauräume natürlicher Wasserzuführung über wasserundurchlässigen Böden. Im Endmoränengebiet nördlich von Babben und Schrackau liegt an den Unterhängen ein eigenständiges Quellgebiet.

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