Der Begräbnisplatz

Eine Bestattung um 1450. Zeichnung: Flemming Bau.

Früher befand sich der Begräbnisplatz für alle Einwohner der Kirchdörfer an und in der Kirche. Die einfachen Leute aus Groß- und Klein-Mehßow, aus Radensdorf, Schrackau und Tugam wurden außerhalb, um die Kirche herum bestattet. Die Familien der Gutsherrschaft von Groß-Mehßow und der Pastor fanden ihre letzte Ruhestätte hingegen in der Kirche. Der Grund dafür ist, man wollte im Tode Gott besonders nah sein, was in Kirchnähe gegeben war.

Die absolute Nähe zu Gott garantierte dabei der Altar. Deshalb befand sich unmittelbar vor dem Altar eine kleine Gruft, in der aus Platzgründen nur der Gutsherr und eine weitere (meist männliche) Person beigesetzt werden konnten. Alle anderen Familienmitglieder fanden ihr Grab, das als normales Erdgrab ausgeführt wurde, unter den Bänken des Publikums und der Pastor in einer Gruft an der Eingangstür.

Berücksichtigt man frühere Bestattungen aus dem 13. bis zum 16. Jahrhundert, die auf Grund fehlender Schriften nicht nachweisbar sind, aber stattgefunden haben, und zählt die schriftlich aus den Kirchenbüchern 16 bekannten Gräber hinzu, dann ist der Innenraum der Kirche ein ganzer Friedhof. Und das gilt auch für die jetzige Kirche, die ja genau auf der gleichen Stelle steht, wie der alte Vorgängerbau.

Der neue Friedhof auf dem Groschkenberg. Foto: Viola Kasprick.

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurde auf dem Kirchhof nicht nur der Platz knapp, sondern man hatte noch mit einem anderen Problem zu kämpfen. In nassen Jahreszeiten füllte sich die ausgehobene Grube schnell mit Wasser, so daß der Sarg regelrecht ins Wasser gelassen werden mußte. 1811 sprach man erstmals über einen neuen Friedhof und legte 1819 auf dem Groschkenberg einen neuen, den heutigen Begräbnisplatz an. Die Fläche erhielt die Gemeinde kostenlos vom Gutsbesitzer Erasmus Bernhard Baron von Patow. Als Einzäunung wurde um den Friedhof herum ein Graben gezogen und im März 1820 eine Tannenhecke gepflanzt. Die Pflanzen stellte ebenfalls der Gutsbesitzer kostenlos zur Verfügung. Allerdings sträubten sich anfangs die Einwohner, denn keiner wollte der Erste sein, bis schließlich am 9. April 1820 dann doch mit der Beerdigung von Georg Winkler der neue Friedhof eingeweiht werden konnte. Er hatte das vor seinem Tod ausdrücklich gewünscht.

Um Platz zu sparen, erhielt jedes Dorf nicht mehr eine bestimmte Stelle zugewiesen. Bis 1925 wurden alle Einwohner der zum Groß-Mehßower Kirchspiel gehörenden Dörfer auf dem Friedhof in Groß-Mehßow beigesetzt. Tugam war die erste Gemeinde, die diese Tradition brach, und sich 1925 einen eigenen Friedhof anlegte. Es folgte Klein-Mehßow, das 1928 den herrschaftlichen Friedhof im Ort übernahm und dort beerdigen durfte. 1946 verließen dann schließlich auch noch die Schrackauer den gemeinsamen Friedhof und legten sich einen eigenen an. Der Grund ist der weite Weg für die Grabpflege, besonders im Sommer. Heute beerdigen nur noch die Radensdorfer mit den Groß-Mehßower´n gemeinsam auf dem Groschkenberg ihre Verstorbenen.

Foto: Viola Kasprick.