Ur- und Frühgeschichte

Schon seit etwa 130 000 Jahren leben Menschen in der Niederlausitz. Rund 200 000 Jahre alte Werkzeuge wurden neben zahlreichen Befunden zur damaligen Tier- und Pflanzenwelt im Tagebau Jänschwalde in mehreren Metern Tiefe aufgedeckt und geborgen. Daß der damalige Neandertaler vielleicht auch schon in unseren Wäldern hier seiner Jagd- und Sammeltätigkeit nachging, kann man zwar vermuten, belegen läßt sich das allerdings noch nicht.

Unterschiedliche Böden und das Wasserangebot, dürften dann in der jüngeren Altsteinzeit, vor etwa  10 000 Jahren, die damaligen Menschen auch in unser Gebiet gelockt haben. Jedoch erst viel später, vor über 3000 Jahren, finden sich erste Siedlungsspuren für unsere Dörfer in Form von  Urnenfriedhöfen. Diese Siedlungsperiode läßt sich in einem Zeitraum von etwa 1500 – 400 vor unserer Zeitrechnung eingrenzen und umfaßt, archäologisch betrachtet, einen Teil der Bronzezeit und der folgenden frühen Eisenzeit.

Auf der heutigen Gemarkung Groß-Mehßows gab es drei Siedlungen aus unterschiedlichen Zeitepochen: Westlich des Ortes, am heutigen Drehnaer Teich  (Luttkenberge), befand sich ein Urnengräberfeld aus der Zeit um etwa 1000 vor der Zeitrechnung. In den Babbener Bergen, an der Groß-Mehßower Gemarkungsgrenze, lag das nächste Urnengräberfeld, das sich zeitlich nicht genau einordnen läßt. Das dritte Urnengräberfeld, auf dem Weißberg, stand möglicherweise mit der ehemaligen Groß-Mehßower Burg in Verbindung und stammt aus jüngerer Zeit.

Im benachbarten Klein-Mehßow entdeckte man beim Autobahnbau, 1938, in der Nähe des Weinberges ein Urnengräberfeld. Die ältesten geborgenen Urnen stammen aus einem Zeitraum von etwa 1200 – 1000 vor unserer Zeitrechnung. Einige dieser Urnen befinden sich heute im Heimatmuseum Calau, können aber, bedingt durch die Kriegshandlungen 1945, nicht mehr eindeutig den Fundplätzen zugeordnet werden.

Weitere Urnengräberfelder wurden in Radensdorf (am Craupschen Teiche) und in der Nähe von Tugam gefunden (1979 entdeckt und ausgegraben). Sämtliche dazugehörigen Siedlungen konnten bis heute noch nicht nachgewiesen werden.

Die Groß-Mehßower Burg

Die klimatischen Verhältnisse ab etwa 1400 vor unserer Zeitrechnung boten den damaligen Menschen sehr gute Lebensbedingungen. Es war warm und trocken, das Grundwasser sank ab, wodurch eine günstige landwirtschaftliche Nutzung auch tiefer gelegener Gebiete möglich war. Damit ergab sich eine gute Ernährungsgrundlage, was zu einem Bevölkerungswachstum und einer dichten Besiedlung führte, sodaß nun weniger fruchtbare Gegenden ebenfalls aufgesiedelt werden mußten, wie zum Beispiel die Mehßower Landschaft.

Über die bronzezeitlichen Siedlungen der damaligen Zeit ist allgemein wenig bekannt. Durch archäolo-gische Funde anderen Ortes geht man von weiler-artigen Siedlungen an bevorzugt Südhängen in Wassernähe aus.

Das Bestreben des Menschen, sich und sein Eigentum vor Raubtieren und feindlichen Übergriffen anderer zu schützen, führte zum Bau von Einfrie-dungen und Befestigungsanlagen (Burgen). Die ältesten Burgen in unserer Gegend gehören in die Zeit um 900 vor unserer Zeitrechnung. Übriggeblieben davon sind meist die sogenannten Burgwälle, eine Erhebung in der Landschaft.

Zu diesen Burgen zählen z. B. das Alte Schloß bei Senftenberg, der Borchelt bei Goßmar, Schönewalde bei Doberlug/Kirchhain, Zützen bei Golßen, Lieberose bei Lübben, Babow und Burg im Spreewald, das Heilige Land bei Niemitzsch und der Baalshebbel (Starzeddel) bei Guben, der Schloßberg in Witzen und der Rundwall im Sorauer Wald bei Sorau. Der Schloßberg von Burg (Spreewald) ist eine der größten Burgen, mit einer Länge von 320 m und einer Breite von 220 m. Die gesamte Fläche beträgt über 5 ha, und die höchste Stelle ragt 8 m aus der Niederung heraus.

Auch in Groß-Mehßow gab es dereinst solch eine Burg, errichtet auf einer natürlichen Geländekuppe in Spornlage zur nördlichen Niederung des Baches Rietzka (frühe Eisenzeit, etwa 600 – 400 v.u.Z.). Es ist die Anhöhe, auf der sich heute der Friedhof befindet und die den Namen Groschkenberg trägt. Die Burg„mauer“ bestand aus einem Wall, der in einer Art Kasten- oder Palisadenkonstruktion mit Erde gefüllt war. Das Holz verfaulte im Laufe der Zeit und übrig blieb ein Erdwall, der später größtenteils zur Ackerfläche eingeebnet wurde. Die Holz-Erde-„Mauer“ umgab ein Wassergraben, dessen Aushub für das Auffüllen der Mauer verwendet wurde.

Auch hier, an der Südseite des Groß-Mehßower Friedhofs, läßt sich der Burgwall noch sehr gut erahnen.

An der südlichen Seite des Friedhofs läßt sich der Burgwall noch sehr gut erahnen (siehe Foto). Die Mehßower Burg erhielt an ihrer Ost- und Nordseite zusätzlichen, natürlichen Schutz durch ihre Anlegung in unmittelbarer Nähe der sumpfig-moorigen Mehßower Niederung mit den Bächen Rietzka und Schrake. Strategisch also eine gut ausgewählte Lage. Innerhalb der Burgmauern lagen verschiedene große Häuser, teilweise in Reihen angeordnet. Entlang der Mauer blieb innen eine Ringstraße frei. Die Größe und Planmäßigkeit der Anlagen deuten auf starke und gefestigte gesellschaftliche Kräfte hin, die zur Errichtung notwendig waren.

Als Anlaß des Burgbaues kann man starke Gegensätze zwischen den Stämmen vermuten, die zu häufigen kriegerischen Auseinandersetzungen führten. Ein weiterer Faktor kann die Arbeitsteilung in Handwerker und Kaufleute sein, die in diesem Zeitraum begann. Der Handwerker mit seiner Werkstatt und der Kaufmann mit dem notwendigen Handelsplatz waren eine wichtige wirtschaftliche Macht der Stämme. Sie mußten wirksam geschützt werden. Hinzu kam sicherlich auch der Schutz der Viehherden. Meist gab es ein oder auch zwei Vorburgsiedlungen, die zwar hier in Groß-Mehßow bisher noch nicht nachgewiesen werden konnten, sich aber vermutlich am südlichen oder östlichen Ackerhang befanden. Und etwa 800 m entfernt liegt in südwestlicher Richtung der Weißberg mit einem ehemaligem Gräberfeld (Urnenfriedhof) aus der gleichen Zeit. Möglicherweise stand es im Zusammenhang mit der Burg.

Auf dem Friedhof beträgt die Kulturschicht 1,80 m, und es fanden sich darin einige Brandhorizonte. Umfangreiche Brandreste, die man beim Ausheben der Erde für die Gräber des 1812 neu angelegten Friedhofs auf dem Burggelände fand, deuten auf eine Zerstörung der Burganlage durch ein großes Feuer hin. Es können kriegerische Auseinandersetzungen in dieser Zeit gewesen sein. Das, was von dieser Burg übrig blieb, der Burgwall, ist oval und fast vollständig verschliffen. Er gehört zur Billendorfer Gruppe (750 – 400 v. u. Z.) und zeichnet sich als helle, ovale Ringfärbung (heller Sandring im dunklen Boden) im Acker ab. Seine Abmessung konnte mit 130 m x 160 m, und einer Fläche von 1,5 ha ermittelt werden. Zahlreiche Funde von Keramikscherben belegen die Datierung in die frühe Eisenzeit. Am 16. Januar 1975 wurde der Grosch-kenberg unter Bodendenkmalschutz gestellt.

Die Lage der Urnengräberfelder im Groß-Mehßower Kirchspiel. Das Urnengräberfeld am Schulmeisterberg gilt nur als Vermutung, alle anderen wurden eindeutig nachgewiesen. Karte: OpenStreetMap.

Die germanische und slawische Zeit (400 v.u.Z. – 1000)

Ab etwa 500 vor unserer Zeit ist die Besiedlung rückläufig, bricht schließlich ab und ist nur noch sporadisch nachweisbar (z. B. im Altkreis Luckau und westwärts). Als Ursachen vermutet man eine ab etwa 800 v. u. Z. einsetzende Klimaverschlechterung mit zunehmenden Niederschlägen und absinkenden Temperaturen, sowie andere Faktoren.

In den ersten Jahrhunderten nach der Zeitenwende siedeln auch in der Lausitz und in unserer unmittelbaren Umgebung die Germanen (Semnonen). Für das Mehßower Gebiet ist allerdings auf Grund der ungünstigen Bodenverhältnisse bisher kaum mit einer Siedlungstätigkeit der Germanen zu rechnen – Bodenfunde fehlen zumindest. Große Schlackenklötze an der Försterei südlich von Fürstlich-Drehna bezeugen aber germanische Siedlungsaktivitäten im dortigen Umfeld.

Durch die große Völkerwanderung, besonders im 4. Jahrhundert, ziehen die Germanen dann in Richtung Thüringen ab. Es folgen slawische Stämme aus dem Osten und Südosten nach, bei uns die Lusizer (um etwa 700). Sie besiedeln auch den Luckau-Calauer Raum, ein Gebiet mit vergleichsweise fruchtbaren Böden.

Das Mehßower Gebiet indes, mit seinen Feucht- und Sumpfgebieten und den Sandböden, dürfte siedlungstechnisch uninteressant gewesen sein, denn von ihnen gibt es bislang kaum Spuren, bis auf eine Ausnahme, dem Groschkenberg in Groß-Mehßow. Hier wurden einige slawische Bodenfunde gemacht, die auf eine spärliche Besiedlung oder Begehung des Groschkenberges in spätslawischer Zeit hinweisen.

Der Übergang von der spätslawischen zur frühdeutschen Zeit (1000 – 1400)

Über 200 Jahre später, seit 932, kommt es zu kriegerischen Auseinandersetzungen der Slawen mit ihren westlichen, den deutschen Nachbarn und den östlichen, den polnischen Nachbarn. Das führt nicht nur zum verstärkten Bau von Burganlagen, sondern auch zu einigen Fluchtbewegungen, indem sich die Slawen in die unwirtlichen, inneren Sumpfniederungen und Sandplatten der Niederlausitz, die für die Eroberer vorerst uninteressant und vor allem für die Ritterheere mit ihren schweren Panzern nicht erreichbar sind, zurückziehen.

Ob diese spätslawische Siedlungsaktion im 11. und 12. Jahrhundert, die sich über den Niederlausitzer Landrücken und damit auch über das Mehßower Gebiet hinweg Richtung Süden erstreckt und wo neue Dörfer in bisher unbesiedelten Gebieten gegründet werden, ob das bereits zur Gründung unserer Dörfer führt, kann nicht gesagt werden.

So könnte man vermuten, daß auch einige slawische Familien der Schrake bachaufwärts gefolgt sind, um Schutz vor den Eindringlingen zu suchen. Als sie die verfallene Mehßower Burg erblicken und sie auch als solche erkennen, gibt ihnen das Gebiet ein Sicherheitsgefühl – sie bleiben. Sie roden die Burganlage und im Umfeld etwas Acker und bauen mit dem Holz ihre Häuser. Ihren neuen Wohnsitz nennen sie Grozischczo (Burgstelle, Burgruine), von dem sich später der heute noch gültige deutsche Name Groschkenberg ableitet. Das Umfeld nennen sie, auf Grund der vielen sumpfigen Niederungen, Změšow (Sumpfgegend), aus dem der heutige deutsche Name Mehßow entspringt.

Nach den unzähligen Kriegen und Besitzerwechseln seit 932 (Slawen, Polen, Deutsche), gehört das Land nun endgültig zum Deutschen Reich und es kommt zum mittelalterlichem Landesausbau und Kolonisation (Germanisierung). Mit zugezogenen deutschen Siedlern aus dem Altreich und der einheimischen slawischen Bevölkerung entstehen neue Siedler- und Bauernstellen – neue Dörfer werden angelegt, alte slawische Siedlungen umgestaltet und erweitert.

Das führt zu einer Um- und Neugestaltung der Wirtschafts-, Rechts- und Verfassungsentwicklung in unserem Gebiet. Dieser Prozeß beginnt um etwa 1150 und setzt sich bis etwa 1400 fort. Jetzt werden auch landwirtschaftlich weniger günstige, unattraktive Gebiete, wie der Niederlausitzer Landrücken mit dem Mehßower Gebiet aufgesiedelt.

Das bereits 968 in Meißen gegründete Bistum (Bistum Meißen) ist für die kirchliche Mission und die politische Neuordnung dieser eroberten Gebiete zuständig, seit 1137 auch für die Niederlausitz. Der in Meißen sitzende Markgraf teilt das neue Land unter die Ritter auf. So kommen u. a. auch die beiden Meißener Ritterfamilien von Kottwitz und von Drauschwitz in unser Gebiet und erhalten die Mehßower und die Drehnaer Region als Lehen. 1291 gründen die von Drauschwitz sogar ein Kloster in Luckau.