Auch an der Schrake wiehert der Potsdamer Amtsschimmel

Bild: Claus Zewe / pixelio.

Die seit Jahrtausenden aus den eiszeitlichen Anhöhen des Lausitzer Grenzwalls in den Spreewald fließende Srace, Srake  oder Schrake, wie sie seit Jahrhunderten genannt wird, hat unter der Hand des Menschen arg gelitten und ist heute namentlich in amtlichen Karten nahezu gänzlich verschwunden.

Für eine effektivere Bewirtschaftung der Felder und Wiesen hat man ihren natürlichen Verlauf im 20. Jahrhundert mehr und mehr begradigt, ja sogar ihr Bachbett an manchen Stellen völlig neu verlegt. Mit dem Erscheinen des Braunkohlenbergbaus in unserer Region wurden ihr in den 1970-er Jahren weitere reichlich 7 km genommen – ihr gewohnter Weg versank in den Tiefen der Tagebaue.

Das namentliche Ende der Schrake kam makaberweise von den Menschen, die sich eigentlich den Schutz der Umwelt auf die Fahnen geschrieben hatten – dem Landesamt für Umwelt (LfU). So der Name dieser brandenburgischen Hohen Herrschaft im fernen Potsdam. Hier, weit weg jeglicher Realität und der Verantwortung für diese Niederlausitzer Region, wieherte wieder einmal der Amtsschimmel. Vom Schreibtisch aus diktiert beschloß man, der Jahrhunderte so genannte Bach Schrake  möge nun Dobra  heißen, weil die Schrake eben in die Dobra mündet. Welch peinlicher, geografischer Unfung…

Die in Potsdam am Schreibtisch des Landesamtes für Umwelt festgelegten Bachverläufe. Karte: OpenStreetMap.

Da es verboten ist, Karten von LGB (Landesvermessung und Geobasisinformation Brandenburg) und Google Maps zu veröffentlichen, wurde der Verlauf der vermeintlichen Dobra in der Karte von OpenStreetMap eingezeichnet (links).

Im Bereich Schrackau hat das Landesamt für Umwelt den tatsächlichen Verlauf des Baches durch das Dorf namentlich als „Schrake“ belassen und die „Dobra“ über den Grenzgraben umgeleitet, der jetzt ebenfalls „Dobra“ heißt.

Die reellen Verhältnisse aber zeigt die unten folgende Karte. Durch das Schrackauer Unterdorf fließt die Schrake unterirdisch (Rohr, gestrichelt eingezeichnet). Der Grenzgraben, der von der Schrake im Westen bis zur Schuche im Osten verläuft, wurde 1847 neu angelegt und zeichnet(e) hauptsächlich die Grenze zwischen Groß-Mehßow und Radensdorf. Von der Radensdorfer Mühle bis zur Schuche liegt er trocken.

 

Die tatsächlichen Verhältnisse im Bereich Schrackau. Karte: OpenStreetMap.